Drohende Mobilfunklücke in Gerlfangen: Bürgermeister Pawlak kritisiert Planung und fordert unverzügliche Übergangslösung

PRESSEMITTEILUNG

der Gemeinde Rehlingen-Siersburg

14. September 2026

Wenige Tage vor der Abschaltung des provisorischen Mobilfunkstandortes in Gerlfangen zeichnet sich eine erhebliche Versorgungslücke für Teile des Nordgaus ab. Die bestehende Anlage soll bereits am 15. September 2026 abgeschaltet werden. Der neue, dauerhafte Mobilfunkmast wird nach derzeitigem Stand jedoch voraussichtlich erst im Februar oder März 2027 vollständig in Betrieb gehen. Eine verbindlich zugesagte Übergangsversorgung für die Monate dazwischen liegt der Gemeinde bis heute nicht vor.

Bürgermeister Joshua Pawlak übt deshalb deutliche Kritik an der Planung und dem Vorgehen der beteiligten Unternehmen.

„Für einen solchen Zustand und diese Planung fehlen mir die Worte. Wir kämpfen seit mehr als zwölf Jahren dafür, die Mobilfunkversorgung im Nordgau zu verbessern. Die Gemeinde hat Flächen zur Verfügung gestellt, Gespräche geführt, Lösungen ermöglicht und immer wieder auf die bestehenden Probleme hingewiesen. Und jetzt stehen wir wenige Tage vor der Abschaltung wieder vor der Situation, dass für mehrere Monate keine gesicherte Übergangslösung vorliegt. So darf Mobilfunkausbau im Jahr 2026 nicht funktionieren“, erklärt Bürgermeister Joshua Pawlak.

 

Gemeinde engagiert sich seit 2014 für bessere Mobilfunkversorgung

Die Gemeinde Rehlingen-Siersburg beschäftigt sich nicht erst seit der aktuell drohenden Versorgungslücke mit der Mobilfunkversorgung im Nordgau. Bereits seit 2014 setzt sich die Gemeindeverwaltung aktiv für einen Ausbau ein. In Gesprächen mit Mobilfunkanbietern und zuständigen Behörden wurde wiederholt auf die unzureichende Versorgung aufmerksam gemacht. Mit eigenen Aktionen und Umfragen wurde der Bedarf zusätzlich ermittelt und gegenüber den Anbietern mit Zahlen belegt. Gleichzeitig bot die Gemeinde eigene Flächen für den Mobilfunkausbau an.

Auch den 2018 gestarteten Funklochmelder des Saarlandes nutzte die Gemeinde, um erneut auf die Situation aufmerksam zu machen. Mehr als 3.200 Meldungen gingen damals ein, besonders viele davon aus Rehlingen-Siersburg und Freisen. Die Gemeinde wandte sich in diesem Zusammenhang unter anderem an die Staatskanzlei und das zuständige Bundesministerium.

Nach mehr als sechs Jahren intensiver Bemühungen gelang im Frühjahr 2020 schließlich ein entscheidender Schritt: Die Gemeinde schloss mit einem Mobilfunkanbieter einen Pachtvertrag über eine gemeindeeigene Fläche am Sportplatz in Gerlfangen.

Noch im selben Jahr führte die Gemeinde intensive Gespräche über eine gemeinsame Nutzung des künftigen Standortes durch mehrere Anbieter. Der Bauantrag wurde entsprechend angepasst. Ziel war es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass mehrere Anbieter einen gemeinsamen Mobilfunkmast nutzen können, anstatt zusätzliche Masten an verschiedenen Standorten in der Landschaft errichten zu müssen.

 

Gemeinde arbeitete bereits 2021 an einer Übergangslösung mit

Als der ursprünglich vorgesehene Zeitplan im Sommer 2021 nicht mehr eingehalten werden konnte, nahm die Gemeinde Kontakt mit dem Bauträger auf und führte Gespräche mit Mobilfunkanbieter und Baufirma. Ziel war bereits damals, eine temporäre Lösung zu ermöglichen und trotz der Verzögerungen möglichst schnell eine Mobilfunkversorgung herzustellen.

Die Umsetzung verzögerte sich unter anderem infolge der Flutkatastrophe im Ahrtal, durch die Material und Personal anderweitig benötigt wurden.

Im November 2022 konnte die bereits zuvor von der Gemeinde verpachtete Fläche schließlich für das Provisorium vorbereitet werden. Auf einer Fläche von zehn mal zehn Metern wurde der Bereich geschottert und ein Fundament errichtet. Zudem wurde eine provisorische Zufahrt über einen Feldweg hergestellt.

2023 ging das Provisorium schließlich in Betrieb und verbesserte die Vodafone-Versorgung in Teilen Gerlfangens und des Nordgaus. Nach Rückmeldungen an den Bürgermeister wechselten Bürgerinnen und Bürger in der Folge teilweise sogar ihren Mobilfunkanbieter, um vor Ort überhaupt eine entsprechende Mobilfunkversorgung nutzen zu können.

 

Provisorium muss weichen, bevor der endgültige Mast steht

Genau dieses Provisorium soll nun am 15. September abgeschaltet werden. Beim Ortstermin am 10. September wurde nach den der Gemeinde vorliegenden Informationen deutlich, dass bislang keine gesicherte Übergangsversorgung bis zur Inbetriebnahme des endgültigen Mastes vorgesehen ist.

Besonders kritisch bewertet die Gemeinde dabei die Standortplanung: Der endgültige Mobilfunkmast soll genau dort errichtet werden, wo sich derzeit das Provisorium befindet. Dieses muss daher zunächst zurückgebaut werden, bevor die dauerhafte Anlage errichtet werden kann.

Für die Gemeinde wirft dies grundsätzliche Fragen zur damaligen Planung auf. Aus ihrer Sicht hätte bereits bei Errichtung des Provisoriums berücksichtigt werden müssen, dass dieses möglichst so lange weiterbetrieben werden kann, bis die dauerhafte Versorgung tatsächlich zur Verfügung steht.

„Genau das ist für mich nicht nachvollziehbar. Wenn seit Jahren feststeht, wo der endgültige Mast gebaut werden soll, muss bei einer Übergangslösung doch von Anfang an mitgedacht werden, wie die Versorgung bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme sichergestellt werden kann. Ein Provisorium abzubauen, bevor die endgültige Lösung funktioniert, und dadurch wieder eine monatelange Lücke entstehen zu lassen, ist weder logisch noch den Menschen vor Ort vermittelbar“, so Pawlak.

 

Selbst grundlegende Fragen waren wenige Tage vor der Abschaltung noch offen

Beim Ortstermin am 10. September zeigte sich auf Nachfrage der Gemeinde zudem, dass offenbar noch keine Gespräche mit betroffenen Anliegern und Landwirten über Flächen geführt worden waren, die für die Umsetzung der Baumaßnahme beziehungsweise für die Baustellenzufahrt und weitere Arbeiten benötigt werden.

Die Gemeinde bot unmittelbar an, auch hier zu vermitteln und die offenen Punkte soweit möglich kurzfristig auf dem kurzen Dienstweg zu klären.

Dass solche grundlegenden Fragen wenige Tage vor der Abschaltung des bestehenden Standortes noch offen sind, verstärkt aus Sicht der Gemeinde die Zweifel an der bisherigen Planung und Koordination des Gesamtprojektes.

 

Verantwortung für Abschaltung, Bau und technische Inbetriebnahme liegt nicht bei der Gemeinde

Die Gemeinde stellt ausdrücklich klar, dass sie die notwendigen Schritte in ihrem eigenen Verantwortungs- und Einflussbereich unternommen hat, um den Mobilfunkausbau zu ermöglichen und voranzubringen. Sie hat den Bedarf wiederholt gegenüber Anbietern und Behörden deutlich gemacht, eine gemeindeeigene Fläche angeboten und verpachtet, die Voraussetzungen für eine Nutzung des Standortes durch mehrere Anbieter unterstützt, an einer temporären Lösung mitgewirkt und bei auftretenden Problemen immer wieder Gespräche geführt und vermittelt.

Die Entscheidungen über die Abschaltung des bestehenden Provisoriums, die konkrete Bauplanung und -ausführung sowie die technische Ausstattung und Inbetriebnahme des neuen Mobilfunkstandortes liegen dagegen nicht bei der Gemeinde, sondern bei den hierfür verantwortlichen Unternehmen.

Für die Gemeinde ist deshalb nicht hinnehmbar, dass trotz der langen Vorlaufzeit nun unmittelbar vor der Abschaltung keine verbindliche Übergangslösung vorliegt.

 

Keine Reaktion auf kurzfristige Intervention des Bürgermeisters

Nach dem Ortstermin am 10. September und den dort gewonnenen Erkenntnissen informierte die Verwaltung den Bürgermeister und die Hausspitze über die aktuelle Situation.

Bereits am Freitagmorgen, 11. September, wandte sich Bürgermeister Joshua Pawlak daraufhin an die Verantwortlichen und Projektverantwortlichen. Das Schreiben ging unter anderem an Vodafone, Vantage Towers, die Pressestelle von Vodafone sowie den Bauträger.

Darin forderte der Bürgermeister eine kurzfristige Kontaktaufnahme und Rückmeldung und setzte hierfür eine Frist bis Freitag, 11. September, 16 Uhr.

Bis Montagmorgen, 14. September, lag der Gemeinde keine Rückmeldung der angeschriebenen Verantwortlichen vor.

Angesichts der für den 15. September angekündigten Abschaltung sieht sich die Gemeinde deshalb nun veranlasst, die Öffentlichkeit über die Situation zu informieren.

 

Pawlak fordert Übergangslösung und Unterstützung von Land und Bund

Der Bürgermeister fordert die beteiligten Unternehmen mit Nachdruck auf, unverzüglich darzulegen, wie eine Versorgung für die Zeit zwischen der Abschaltung des bisherigen Provisoriums und der Inbetriebnahme des neuen Mobilfunkstandortes gewährleistet werden kann.

Insbesondere erwartet die Gemeinde eine verbindliche Aussage dazu,

  • ob und wie eine Übergangsversorgung eingerichtet werden kann,
  • welche Maßnahmen zur Verkürzung der drohenden Versorgungslücke ergriffen werden und
  • wann der neue Standort verbindlich vollständig in Betrieb genommen werden kann.

Gleichzeitig fordert die Gemeinde das Land und den Bund auf, angesichts der Situation tätig zu werden und auf eine schnellstmögliche Lösung hinzuwirken.

„Mobilfunk ist längst kein Luxus mehr. Er gehört zur grundlegenden Infrastruktur – für die private Kommunikation genauso wie für berufliche Erreichbarkeit, digitale Anwendungen und gerade auch in Notfallsituationen. Es kann nicht sein, dass eine ländliche Kommune über zwölf Jahre für eine vernünftige Versorgung kämpft und wir am Ende wieder dort stehen, wo wir angefangen haben“, erklärt Pawlak.

 

Gerade die Situation bei Notrufen bereitet der Gemeinde seit Jahren Sorgen. Außerhalb des Ortes wird aufgrund der unzureichenden deutschen Netzabdeckung teilweise das französische Mobilfunknetz empfangen. Nach Schilderungen aus der Bevölkerung kam es bereits zu Situationen, in denen Notrufe im französischen Netz aufliefen und zunächst an französische Leitstellen weitergeleitet wurden. Auf diese Problematik hat die Gemeinde wiederholt hingewiesen.

Die Gemeinde wird die weitere Entwicklung eng begleiten und die Bürgerinnen und Bürger informieren, sobald belastbare Informationen zu einer möglichen Übergangsversorgung und zum endgültigen Inbetriebnahmetermin des neuen Mobilfunkstandortes vorliegen.